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Literatur

7 Tage ohne Zucker, Kaffee, Gluten, tierische Nahrungsmittel. Ein Selbstversuch.

veganforfit

Detoxen ist in aller Munde und so haben auch Andrea und ich uns mit dem Thema auseinandergesetzt. Angebote gibt es dafür am Markt zahlreiche. Vom nicht ganz günstigen Urlaub im Kloster über angeleitete Detox Programme im Netz bis zu “nimm a bissal a Kapserl davon und Puiverl hiervon”-Methoden gilt es die für sich richtige Variante zu finden. Als Teilzeit Veganer und überzeugte Nicht-Fleisch-Esser hatten wir schon viel Kontakt mit Attila Hildmann und sind Fans seiner Rezepte. Andrea ist im Sommer 2017 zufällig auf das Buch “Vegan for fit für Gipfelstürmer – Die 7 Tage Detox Diät” aufmerksam geworden. Da wir den “natürlichen” Weg verfolgen und auf Lebensmittel statt Füllstoffe setzen wollen, klingt das für uns nach einem super Deal. Im September starteten wir den ersten Versuch. Wir waren schlichtweg begeistert vom Ergebnis, sodass wir während der Weihnachtsfeiertage und der Völlerei kurzfristig beschlossen haben, das neue Jahr mit einem “Gutes für Körper, Geist und Seele”-Programm zu starten. Der Wandel in nur 7 Tagen ist erstaunlich und die daraus gelernten Lektionen waren und sind für mich zumindest im Bereich der Ernährung lebensverändernd.

Bisher lebte ich in den Tag und nach dem Motto, “wenn du Hunger hast, musst was essen”. Dabei achte ich auch nicht immer auf die Qualität der “Mahlzeiten”. Bzgl. der Anzahl der Mahlzeiten trennt sich übrigens auch “die Spreu vom Weizen”. Die einen Ernährungsexperten setzen auf viele kleine Mahlzeiten, die anderen auf drei Mahlzeiten am Tag, wieder andere sagen dir, du sollst abwechselnd einen Tag essen, den anderen nix zu dir nehmen, dann noch die Anhänger des Intervallfasten, dass darin besteht, innerhalb 8 Stunden zu essen und dann für 16 Stunden zu fasten. Ganz zu schweigen von den unterschiedlichen Methoden der Ernährungsqualitäten, angefangen bei der Paleo-Diät, über die low-carb-Diät oder low-fat-Diät, die “du darfst auf keinen Fall Weizen essen-Diät” und viele andere mehr. Wie erwähnt, fühlen wir uns als großteils Veganer mit der Variante von Attila Hildmann sehr wohl und finden großen Gefallen daran.

Quinoa-Pizza mit Hummus und TomateWas aber genau ist die “7-Tage-Detox-Diät”? Im Grunde genommen ganz einfach. Eine Woche lang verzichtet man darauf, was dem Körper schadet. Das sind zum Beispiel Kaffee, industrieller Zucker, Alkohol, Gluten und tierische Produkte. Lässt du das weg, hat der Körper Zeit sich zu regenerieren, entgiften und zu entschlacken. Das kann unser Körper ganz alleine. Dazu braucht er keine Zusatzstoffe, sündteure Kapseln oder sonst was. Außerdem verzichtet man auch auf überflüssige Kalorien. Dafür berechnet man vor Beginn den eigenen Energieverbrauch auf einer eigens dafür erstellten Seite (www.veganforfit2.de). Sogar einen Einkaufszettel kann man sich dort erstellen lassen. Wir schreiben die Einkaufsliste dann doch selbst. Unser gemeinsamer Wert liegt bei 1,4. Mit diesem Faktor ändern wir die Mengen auf unseren Tagesbedarf um. Klappt super einfach.

Was wir zu uns nehmen ist das Eine. Bewegung und was wir auf uns wirken lassen das Andere. So haben wir uns auch für eine Woche Urlaub entschieden, um uns wirklich Zeit für uns nehmen zu können.

Neben der Einschränkung bei den Lebensmitteln, das für uns viel mehr eine Bereicherung darstellt, ist die Variante ähnlich, oder eine Form des Intervallfasten. Drei vollwertige Mahlzeiten am Tag ohne Naschereien dazwischen. 4-5 Stunden Pause zwischen Frühstück, Mittagessen und Abendessen. In den Pausen wird gänzlich auf Kalorien verzichtet und nur Wasser oder Kräuter- und Früchtetees sind erlaubt. Danach wird für zumindest 13 Stunden gefastet. Intermittierendes Fasten wird diese Art zu Fasten auch genannt. Die positive Wirkung dieser Methode ist mittlerweile wissenschaftlich bewiesen und sogar mit einem Nobelpreis versehen. Details dazu liest du am besten im Netz oder diversen Büchern nach.

Wie ist’s uns ergangen? Kurzum: super.

Mit dem 1.1.2018 starten wir unser 7 Tage Programm. Naja. Eigentlich schon zwei Tage früher,  nämlich mit dem Einkauf für die ersten vier Tage. Haferflocken-Pfannenbrot mit HeidelbeerenRund €100,- geben wir für die Lebensmittel und somit für 12 Gerichte aus. Dabei achten wir auf Qualität und nach Möglichkeit auf Regionalität. Zur Auswahl stehen uns täglich zwei Varianten zum Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Keine Mahlzeit ist doppelt und die Vielfalt und Abwechslung somit perfekt. Drachenfrucht-Matcha BowlVoller Euphorie starten wir in den ersten Tag. Da wir ja im September das Programm schon einmal machten, und wir damals einfach tolle Erfahrungen machen durften, gehen wir mit guten Gefühlen an die Sache heran.

Urlaub haben wir uns auch deshalb genommen, da neben der Arbeit diese “Diät” eher stressig ist. Wir verbringen im Schnitt täglich fast zwei Stunden in der Küche, da alles frisch zubereitet wird. Außerdem wirkt das Entschlacken so noch intensiver.

Da wären wir dann auch schon. Es wirkt. Und zwar in vielerlei Hinsicht. Nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Gedanken. Meßbar aber ist die körperliche Veränderung. Zu Beginn dieser 7 Tage stellen wir uns auf die Waage und messen Bauch-, Taillen- und Oberschenkelumfang. Mein Anfangsgewicht liegt bei 71,5kg. Mein bisher geringstes Gewicht zu dieser Jahreszeit wohl seit mehr als 15 Jahren. Das alleine freut, macht aber trotzdem neugierig, was sich in den 7 Tagen wohl noch ergeben wird. TRX RumpfstabitrainingAm Ende staune ich nicht schlecht. Minus 3,8kg und somit 67,7kg auf der Waage. Wahnsinn und gleichzeitig die Wiederholung des Ergebnisses vom Sommer 2017. Der Bauchumfang hat sich um 6cm reduziert, der Oberschenkelumfang immerhin auch um 2cm, trotz speziellem Krafttraining für die Beine.TRX Stabilitätstraining

Was aber hat sich neben den körperlichen Veränderungen in den 7 Tagen getan? Das macht die Sache meines Erachtens nach so interessant. Die Stimmung war beim ersten Versuch die vollen 7 Tage ausgezeichnet. Diesmal war es anders. Vermutlich auch wegen der Völlerei, dem Alkohol und Zuckereskapaden während der Feiertage. Der Körper ist auf Entzug. Oder auch wegen der Raunächte. Aber das ist nur mal so eine Vermutung. Jedenfalls merken wir beide die Wirkung an den ersten zwei Tagen sehr stark und verstärkt durch das trübe Wetter sind wir eher niedergeschlagen. Einerseits keine Ablenkung durch tägliche Routine, andererseits Zeit um sich Gedanken machen zu können. Das passiert dann auch. Es taucht bei mir alles auf, was stört, was mich nervt, mich verärgert oder gar wütend macht, wovon ich mich am liebsten sofort trennen möchte. Mithilfe von Meditationen verstärke ich diese Gefühle und Gedanken zusätzlich, damit ich das alles “zu Tage” bringe und mir ansehen kann. Damit arbeite ich dann und versuche all das negative ins positive zu bringen. Was kann ich daraus lernen, wie kann ich es, oder meine Einstellung darüber, ändern. Auch der Drang zum Entrümpeln drängt sich immer mehr in den Vordergrund. Bis etwa Mittwoch Mittag hält diese Stimmung an, ehe sich Tatendrang und der Wunsch nach positiver Veränderung auftun. Eine Sache sei noch erwähnt. Ich schlafe wie ein Baby. Eine äußerst positive Nebenwirkung dieser Diät.

Die Mahlzeiten selbst machen Spaß. Viel Abwechslung und jede einzelne Speise einfach gut. Durch die neuen Gerichte und unterschiedlichen Zutaten kommt auch da keine Routine auf. Bewegung, Meditation, Ruhe und Ordnung machen stehen zum Tag auffüllen auf dem Programm. Am Mittwoch Abend dann die erste “Zerreißprobe” bei der Geburtstagsfeier meines Schwagers. Geburtstagskuchen, kleine Snacks, Alkohol und auf die Probe stellende Fragen aus der Runde, warum wir uns das “antun” und bei Wasser und Tee inmitten feiernder Menschen sitzen. Wir ziehen unser Programm durch, merken dabei aber schnell: sozial verträglich ist die Sache nicht. Dafür aber umso besser für unseren Körper und auch Kopf. Eine gute Übung, den Muskel Selbstdisziplin zu trainieren.

Donnerstag früh werden wir von den ersten Sonnenstrahlen geweckt und wir beginnen den Tag voller Euphorie. Rotes Curry mit ReisnudelnDiese Stimmung sollte nun auch für die letzten vier Tage anhalten. Gute Gespräche, Tatendrang und noch bessere Ideen begleiten uns durch den Tag. Auch sportlich gibt es keinerlei Einschränkungen. Die längste Trainingseinheit ohne Nahrungszufuhr halte ich sage und schreibe 2 Stunden und 40 Minuten durch. Das kenne ich bereits vom Sommer. Damals war es die dritte Steigerungswoche und wohl eine der intensivsten Trainingswochen des Jahres. Auch damals war ich fasziniert davon, wie Leistungsfähig der Körper ohne Supplementierungsmittel ist. Ohne dem Zuckerschub kann ich viel konstanter Leistung abrufen und durch die basischen Lebensmittel regeneriert der Körper offensichtlich auch besser und schneller. Ein netter Nebeneffekt, wie ich finde.

Nach 7 Tagen ist die Diät “geschafft”. Wobei “geschafft” der falsche Ausdruck für 7 abwechslungsreiche und für unsere Körper befreiende Tage ist. Wir fühlen uns pudelwohl und gehen gestärkt an die bevorstehenden Aufgaben heran. Wir sind so vom guten Körpergefühl überwältigt, dass wir freiwillig verlängern, wie auch schon beim letzten Mal.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dem Körper Zeit zum Verdauen zu geben. Zwischen den Mahlzeiten nasche ich weniger und merke, dass dies meinem Körper und mir gut tut. Auch die Stimmung ist dadurch besser. Eigentlich konstanter, da der zwischenzeitliche Zuckerschub und die darauf folgenden Abstürze fehlen. Die Selbstdisziplin haben wir trainiert. Verlockungen haben wir widerstanden. Hatte zwischenzeitlich einer von uns einen schwachen Moment, haben wir uns gegenseitig motiviert. Das tut zwischendurch gut. Im Nachhinein jedoch ist es uns leicht gefallen, vor allem deshalb, weil der fixe Plan eine gute Leitlinie ist. Wir haben Gewohnheiten durchbrochen und neues ausprobiert. Die Alternativen versuchen wir nun Stück für Stück im “normalen Leben” zu integrieren. Einmal mehr auf gesundes zurückgreifen, einen Kaffee weniger trinken, dafür ein Glas klares Wasser trinken. Anstelle dem Kuchenstück eine leckere, zuckerfreie Süßigkeit naschen. Zur Jause anstelle dem Abendbrot eine, den guten Schlaf fördernde, glutenfreie und eiweißreiche Mahlzeit zubereiten. Früher Essen, länger fasten und zwischendurch nicht gleich dem ersten Hungergefühl durch Naschereien nachgeben. Und trotzdem nicht zu streng zu sich sein. Beim Kinobesuch doch einmal naschen, mit Freunden ein gutes Glas Bier oder Wein genießen. Ab und an auch mal ein gutes Stück Schokolade auf der Zunge zergehen lassen und dem genußvollen Leben freien Lauf lassen. Die Belohnung für’s nächste Mal dann doch überdenken, ob die ganze Tafel Schokolade wirklich eine Belohnung ist, oder doch eine gesunde Alternative gut für unseren Körper ist?!

“Du bist das zwischenzeitliche Ergebnis deiner Gewohnheiten und Gedanken.” Beides können wir ändern. Mit etwas Disziplin ist alles möglich. Viel Spaß beim ausprobieren.