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Januar 2016

Vom Couchpotato zum Ironman…

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… und wieder zurück?!

Das ist mein Jahresrückblick 2015 mit einem kleinen Ausblick nach vorne, sofern ich mich so weit aus dem Fenster lehnen wage. Lange Zeit war es ruhig hier und das ist mein erster Post seit meinem Finish in Klagenfurt. Anfangs war ich noch top motiviert, dort weiter zu machen, wo ich aufhörte und versuchte meine Form weiter auszubauen. Doch Fehlanzeige. Mein Körper hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Am besten aber eins nach dem Anderen.

Die Überschrift und der Zeitungsartikel ist die Krönung meiner bisherigen sportlichen Leistungen. (http://www.meinbezirk.at/ried/sport/vom-couch-potato-zum-ironman-d1480631.html) Auf meinem Rad sitzend, auf der Spitze der Ironman Strecke, auf dem Rupertiberg, zierte ich im Oktober die Titelseite der Printausgabe der Rieder Bezirksrundschau. Mein bisher größter Medienauftritt, mit dem ich so nicht rechnete. Und gleichzeitig war ich zu diesem Zeitpunkt alles andere als ein Ironman. Viel zu kurz habe ich meinem Körper zur Regeneration Zeit gegeben und habe bereits zwei Wochen nach Klagenfurt wieder zu trainieren begonnen. Die körperlichen Anzeichen auf Übertraining habe ich, psychisch stark und unbesiegbar, wie ich zu dem Augenblick vermeintlich glaubte zu sein, total ignoriert. Eine neue Bestform muss her, meine Schwächen müssen ausgemerzt werden und schließlich habe ich ja noch einen dicht gedrängten Wettbewerbskalender 2015 vor mir. Mit jedem Training aber wurde ich müder und verlor letztlich jegliche Freude am Sport.

Am 23.8.2015 absolvierte ich noch eine olympische Distanz, den Mondseelandtriathlon. Ein traumhafter Bewerb, bei dem ich schnell merkte, das die Luft draussen ist. Kraftlose Arme beim Schwimmen, schwere Beine auf dem Rad und keinen Ehrgeiz beim Laufen. 2Std. 24Min. benötigte ich für die Distanz und genoss dabei die Natur und die Atmosphäre in vollen Zügen. Jedoch nicht mehr mit der Leistung, die ich gerne abrufen wollte. Die Freude am Sport keimte wieder auf, allerdings fehlten mir selbst nach dem Bewerb jegliche Kraft, meine Leistung weiter steigern zu können. Der Wille war da, nur wollte der Körper etwas anderes.

So sind mittlerweile einige Wochen und Monate vergangen und ich taste mich mühsam wieder an meine alte Form heran. Meine neuen beruflichen Herausforderungen als Geschäftsführer bei gleichzeitiger Fortführung meiner eigenen Selbstständigkeit setzten mir dabei außerdem ordentlich zu und nehmen wir in diesem Zeitraum viel Zeit und Energie, die mir letztlich fehlen, um sportlich wieder ähnlich gut trainieren zu können, wie ich es in der Vorbereitung zum Ironman tat.

Von September bis November kann ich die Trainingseinheiten an einer Hand abzählen. Das schmerzt sehr, vor allem der Blick auf die Wage. Waren es davor zwischen 10 und 20 Trainingsstunden pro Woche, verbrachte ich jetzt die Zeit sitzend im Auto, am Schreibtisch oder einfach nur faulenzend auf der Couch. Habe ich mir zu viel zugemutet? Diese Frage stelle ich mir ziemlich häufig und stelle meine Sportlichkeit immer wieder in Frage.

Seit November trainiere ich verstärkt an meiner Schwimmform und es fällt mir von den drei Disziplinen am leichtesten, Motivation dafür zu finden. Meine letzte Radausfahrt liegt mittlerweile vier Monate zurück. Und das bei dem sensationellen Herbst, wo die meisten neue Trainingsrekorde aufgestellt haben. Nur eben ohne mich. Auch das Laufen fällt mir zunehmend schwer, Motivation dafür zu finden. Und so kommt es, das der Körper Zeit zur Regeneration findet. Hier und da tun sich kleine Wehwehchen auf, die ich in der Vorbereitung vollends ignoriert hatte. Ich lasse die Zeit verstreichen und hoffe dabei darauf, dass sich der Körper ganz alleine wieder von den Strapazen erholt. Fehlanzeige.

Mit meinen ersten Laufkilometern beginnt der Körper erneut zu rebellieren und zeigt mir schnell, das ich zu wenig Aufmerksamkeit meinen “Baustellen” entgegenbrachte. Meine Achillodynie (eine Art Entzündung der Achillessehne), die mich bereits seit meinem ersten Marathon 2012 begleitet, keimt wieder frisch auf und bereitet mir gerade nach Bergwanderungen große Schmerzen. Als wäre das nicht genug, werden meine Schmerzen im linken Fuß immer schlimmer, bis ich den Fuß nicht mehr ordentlich abrollen kann. Eine ÄNDERUNG also muss her. Erst mal Training reduzieren, Tempo und Intensität rausnehmen und schlau machen, was ich tun kann. Selbstdiagnose stellt sich rasch heraus ist ein schlechter Ratgeber und so wage ich den Schritt zum Physiotherapeuten.

Fasziniert davon, wozu unser Körper zu leisten im Stande ist, heißt es jetzt wieder einmal Pause und Fehlstellungen korrigieren. Seit Mai oder Juni begleitet mich also ein Trauma im Fuß, das ich bisher erfolgreich ignoriert habe. Das Ziel war größer als jeglicher Schmerz im Körper und so wurden offensichtlich einige Schmerzrezeptoren einfach so “taub” gestellt. (ich bin kein Fachmann, aber das habe ich mir durch Aussagen von Ärzten und Büchern so zusammengereimt) Jetzt wo ich wieder “normal” im Alltag angekommen bin und kein großes Ziel vor Augen habe, signalisiert mir der Körper, das wir ein paar Aufgaben zu erledigen haben. Und genau dieser stelle ich mich jetzt.

Nach den ersten Therapiesitzungen mit meiner Physiotherapeutin arbeitet der gesamte Körper und ich darf einfache Übungen wie den Einbeinstand trainieren, Wadenheberübungen absolvieren und zurück zu Kräftigungsübungen, die ich in den letzten Jahren einfach vernachlässigt habe. Ausdauersport besteht neben der Tätigkeit an sich eben doch auch aus mehr und so wäre es für mich zumindest gut gewesen, langsam zu starten und nicht innerhalb von eineinhalb Jahren gleich einen Ironman zu absolvieren. Doch jetzt hoffe ich aus den Fehlern gelernt zu haben und bin guter Dinge, wieder Form aufbauen zu können. DANN aber wirklich konstant, ohne die nervigen Verletzungspausen, die ständiger Begleiter in den letzten Jahren meiner noch jungen Ausdauersportkarriere waren.

Ein klein wenig Wehmut ist vielleicht rauszulesen, viel mehr jedoch ist es Demut, den ich diesem schönen Sport und vor allem aber meinem Körper entgegenbringen möchte. Der Spaß und die Freude am Tun sollten bei alle dem jedoch im Vordergrund stehen. Unser Geld verdienen wir ja mit was anderem und der Sport, so wie ich ihn betreibe, ist ja doch nur ein Ausgleich zu Beruf und Beziehung. Jetzt freue ich mich darauf, wieder fit zu werden und bald wieder meine Trainings und vielleicht doch auch bald wieder Wettbewerbe genießen zu können.

Was bleibt von 2015?

“Alexander, you are an Ironman”, viele Trainingsstunden (ziemlich genau 500, trotz drei Monaten Pause), schöne Erlebnisse bei den Bewerben und Ausflügen mit meiner Freundin und Freunden, sportliche Höhenflüge und leider auch ein kleiner Sturzflug, viele neue Bekanntschaften und neu gewonnene Freunde und noch mehr neue Erkenntnisse, die mich nicht nur im Sport weiterbringen!

DANKE für diese Erfahrungen, für all die Menschen die mich begleitet haben und mich weiter begleiten werden und ich freue mich schon jetzt auf schöne sportliche Erlebnisse im neuen Jahr!

Glück auf, viel Erfolg und Gesundheit im neuen Jahr…

tbc.

AB