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Mitteldistanz Linz

Ende gut, alles rot. Linz Triathlon, eine Zusammenfassung.

Mitteldistanz Linz

Samstag, der 27.Mai 2017. Endlich ist es soweit.

1,9km swim, 90km bike und 21,1km run stehen am Plan. Zusätzliche Motivation: heuer werden die Landes- und Staatsmeisterschaften über die Mitteldistanz in Linz ausgetragen. Da bin ich dabei! ;)

Knapp 7 Monate Vorbereitung liegen hinter mir. In Zahlen: 400 Stunden Training. Knapp 5.500km im Wasser und zu Lande. 230km schwimmend, 4.400km auf dem Rad und 840km laufend. Dazu noch 80 Stunden Krafttraining. Im Schnitt also rund 14 Stunden pro Woche, mit Schwerpunkt Rad, meine bisher schwächste Disziplin, das sich heuer ändern sollte. 155Stunden verbringe ich auf dem Rennrad und meinem Zeitfahrer. Da wird sich wohl was tun?! Viele Trainingsstunden, unterschiedlichste Situationen und Schwierigkeiten trainiert, nur eines nicht: HITZE! Es ist traumhaftes Wetter vorausgesagt, 26 Grad und der Start in Linz ist traditionell mittags. Super. Eine zusätzliche Herausforderung für mich. Eine große, wie sich am Ende herausstellen sollte.

12:00. Der Startschuss.

Im Wasser geht’s gleich ordentlich zur Sache und die gewohnte Schlägerei bei der “Waschmaschine” nervt zwar, gehe aber selbstbewußt an die Sache heran, da ich mir sicher bin, dass sich die Situation für mich bald “bereinigen” wird. Und so brauche ich auch nur rund 400m bis es langsam ruhig um mich wird und ich das nervöse Feld hinter mir lassen kann. Alles super. Im Wasser fühle ich mich mittlerweile wohl und kann gut Tempo machen. Immer mehr Plätze kann ich gut machen und ich schwimme meine eigene Linie. Mit einem super Gefühl beende ich dann auch den Schwimmsplit nach nur 31Minuten und gesamt Rang 44.

T1: Wechsel auf den Radsplit.MD T1

Fans entlang der Laufstrecke pushen einen so richtig nach vorne und die Atmosphäre ist “a Waunsinn” in Plesching. Mein Coach (dersportcoach.com) ist zufällig gerade in der Wechselzone und motiviert mich zusätzlich. Ich komme gut aus dem Neoprenanzug raus, Brille, Helm, Startnummer sitzen… die Schuhe. ich ziehe diese noch am Platz an und traue mich (noch) nicht, das Rad mit angeklippsten Schuhen aus der Wechselzone zu schieben. Trotzdem. Super Wechsel und ich mache 3Plätze gut. Rang 41 nach T1.

Der Bikesplit. 90km Radfahren, rauf ins Mühlviertel.

Als guter Schwimmer und eher mittelmäßiger Radfahrer hab ich’s gerade zu Beginn nicht immer leicht. Schnell überholen mich die stärkeren Radfahrer, was sich aber diesmal gerade zu Beginn der Radstrecke in Grenzen hält. Nach nur wenigen Kilometern der Gewöhnung und Erholung auf dem Rad geht’s 8km lang bergauf nach Katsdorf. A Traum für mich… ;) Alles fühlt sich gut an und ich kann für meine Verhältnisse ordentlich Druck machen. Was dann folgt, ist eine herbe Enttäuschung für mich. Pulkweise überholen mich ungeniert andere Athleten. Einer meint sogar “kum, häng die eina” und lädt mich ein, unfair im Windschatten mitzufahren. Für Nicht-Triathleten unter den Lesern: im Triathlon ist bei den meisten Bewerben Windschattenverbot und es muss bei der Mitteldistanz ein Abstand von 12 Metern  eingehalten werden, damit es wirklich ein Einzelzeitfahren bleibt. Im Windschatten spart man rund 30% der Leistung und kann dann bei Anstiegen mehr Druck machen. Ich entscheide mich dafür, FAIR zu bleiben und lasse mich, immer wenn ich überholt werde, sofort zurückfallen und halte den Abstand zum Vordermann ein. Stellt sich für mich nur die Frage: dumm oder fair? Ich finde es unfair den “sauberen” Athleten gegenüber und mein Wertekodex macht es mir unmöglich, dass ich zu unfairen Mitteln greife. Ein Appell dennoch an die anderen Athleten: bleibt fair. Lange Rede, kurzer Sinn: ich verliere Platz um Platz und mich überholen 5-6 Gruppen mit 7-15 Fahrern. Eine Sauerei. Wo sind da nur die Stewarts, die für ein faires Rennen sorgen sollten?! Zwei blaue Karten (5′ Zeitstrafe) kann ich bei Vordermännern sehen, erfahre am Ende des Rennens aber, dass diese teilweise nicht mal abgesessen werden mussten… noch mehr Sauerei. Mich ärgerts und stelle meine Einstellung in Frage und komme zu dem Entschluss: ich fühle mich gut dabei, das beste mit fairen Mitteln gegeben zu haben. 78 Plätze verliere ich auf der Radstrecke und erreiche gerade einmal die 153. Radzeit. Auf Platz 119 liegend geht’s zum nächsten Wechsel.MD T2

T2. Wechsel vom Rad auf die Laufstrecke.

Platz suchen, Rad einhängen, Helm runter, Kappe rauf und rein in die Laufschuhe  (erstmals ohne Socken, dafür mit ganz viel Baby Puder zum trocknen). Läuft super. Ich mache 8 Plätze gut und freue mich auf meine Lieblingsdisziplin, das Laufen. Am Ende der Wechselzone überrascht mich auch noch meine Freundin und nehme mir die Zeit für ein paar kurze Worte und einen Kuss. Das gibt Kraft. Die sollte ich noch brauchen…

Der Laufsplit. 21,1km am Donaudamm, 4 Runden zu je 5,25km plus Zieleinlauf.

Leicht angeschlagen vom Radsplit merke ich schnell die Temperaturen UND das ich am Rad zu wenig getrunken habe. Weiße Ränder und total salzig gehe ich meine eigentlich stärkste Disziplin an. Die ersten Kilometer verlaufen perfekt und ich kann für die Hitze eine gute Pace (4:25) anlaufen. Doch dann merke ich mehr und mehr, wie mir die Sonne und der Wassermangel zusetzen. Der Puls geht hoch, das Tempo wird langsamer, der Mund trockener. Noch schnell ein Gel… leider das falsche erwischt: salty (eigentlich für die Radstrecke). Verdammt. Das Gel bleibt mir im Mund picken und bringe es kaum runter. Wasser ist gerade auch keines zur Hand. Als Draufgabe dann noch ein Streckenposten, der mit den besten Absichten die Teilnehmer mit einem Wasserschlauch kühlt, nur leider nicht ins Gesicht, sondern in die Schuhe spritzt. Barfuß im Schuh und Wasser. Keine gute Kombination. Egal. Es muss weitergehen. Endlich das rettende Wasser und die zweite Runde beginnt. Platz um Platz mache ich gut, doch nicht in dem Ausmaß, wie ich es von mir und anderen Rennen kenne. Normalerweise mache ich 50 bis 100 Plätze gut. Doch diesmal soll es anders werden. Nach zwei Runden liege ich auf Platz 99 und konnte “nur” 12 andere Teilnehmer überholen. Es wird immer heißer, mein Mund immer trockener. Ich rette mich von Labestelle zu Labestelle und muss dabei stehenbleiben, um meine Speicher einigermaßen wieder auffüllen zu können. Das kostet natürlich Zeit und ich kann mich außerdem kaum abkühlen. Ich hab’s befürchtet. Die Hitze setzt mir ordentlich zu. Meine anfänglich gute Pace kann ich bei weitem nicht mehr halten und bin froh, wenn ich unter 5:00/km laufen kann. Meine lockeren Trainingsläufe absolviere ich in 4:40 bis 4:50. Ich beginne zu zweifeln und auch immer mehr Freunde und Bekannte “rücken mir an die Pelle” und machen Zeit gut. Von meiner angestrebten Zielzeit von 4Stunden45Minuten muss ich mich bald verabschieden. Das klappt heute nicht. Neben meiner Dehydrierung macht mir zunehmend eine Blase am rechten Fuß zu schaffen. Barfuß im Schuh und die Wasserspritzer. Das nächste mal nehme ich mir wieder Zeit für Socken… ;) Am liebsten würde ich die Schuhe entsorgen und barfuß weiterlaufen. Ist vermutlich aber doch auch die zweitbeste Idee. Es schmerzt höllisch und ich sehe auch schon bald das Blut aus den Schuhen rausquillen. Nicht schön. Aber muss gehen. Irgendwie schaffe ich es, mich mit Mundwinkelübungen (Mundwinkel nach oben :) ) bei Laune zu halten und versuche unter den Umständen mein bestes zu geben. In der letzten Runde dann jedoch ist es soweit und meine Freunde Robert und Thomas “ziehen” an mir vorbei. Einige andere kann ich zwar auf Distanz halten, aber das war so nicht der Plan. LinzTri ZielEigentlich hätte es eine deutliche neue Bestzeit für mich über die Mitteldistanz werden sollen. Am Ende bin ich froh, die Ziellinie nach einem 1Stunde41Minuten Laufsplit und 4Stunden57Minuten und 38Sekunden Gesamtzeit gequert zu haben. Überglücklich, wohlgemerkt, auch wenn sich das anders lesen mag… ;)

Auch wenn die Zeit nicht meinen Vorstellungen entspricht, bin ich sehr froh über dieses Finish und das ich meinem besten ICH wieder ein Stück weit näher gerückt bin. Nicht nur sportlich, sondern auch meine Persönlichkeit weiter geformt und mein Wertegerüst gefestigt habe.

DANKE. THANK YOU. MERCI!

Ganz großer DANK an dieser Stelle gilt dem Veranstaltungsteam, die wirklich großartige Arbeit leisten. Den Helfern, die an so einem schönen Tag alles für die Athleten geben. Jeder für sich hat sein bestes gegeben und manch einer hat leider etwas Unmut oder Frust abgekriegt. Sorry dafür. DANKE meiner lieben Freundin, die mich in der Vorbereitung und auch beim Wettkampf so gut unterstützt. Du bist wunderbar. Last not least ein Dank unseren Freunden, die wir durch diesen Sport haben kennen lernen dürfen und unser beider Leben bereichern.

Fazit: weitermachen und Spaß haben. Die nächsten Bewerbe sind schon in Planung und die Stahlstadt wird mich beim Steeltownman im Juni wieder sehen. Davor noch ein paar knackige Laufveranstaltungen, den Welser Businessrun und den Rieder 2er Team Stundenlauf und viele gute Trainingseinheiten mit meinen Freunden, bevor es dann im Herbst zum Ironman 70.3 nach Zell am See geht. Jetzt aber steht Regeneration am Plan und zwei Wochen lockeres Training. Auch mal gut. :)

In diesem Sinne. Bis zum nächsten mal.

tbc.

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