Zurück
IM70.3Zell - finish

swim – bike – run – done für 2017. Nachbericht zum Ironman 70.3.

IM70.3Zell - finish

Es sollte ein schöner Tag in Zell am See werden. 21 Grad Wassertemperatur, 27 Grad am Nachmittag, Sonnenschein und Wolkenfelder ab dem frühen Nachmittag. Genau so war es dann auch. Pünktlich zum Start lösten sich die Nebelfelder auf und die Sonne kam raus. Um 10:50 stehe ich nach anfänglicher Hektik und Gedränge um den richtigen Schwimmblock gemeinsam mit meinem Coach Gerald Will in der vordersten Reihe beim Schwimmstart der Age Grouper. Etwas mulmig ist mir dabei schon, erinnere mich aber an die Worte meines Freundes Roman, der mir nahelegte, mich ja weit vorne einzureihen, damit ich einen guten Sog erwische und nicht überholen muss. 11:10 und der Startschuss aus der Kanone hallt über den See und gibt mir das Zeichen für den Start. Ausstieg swim IM70.3ZellAb jetzt heißt es Vollgas nach vorne und das beste aus mir rausholen.

Es ist mein erster Rolling Start und von Beginn an fühle ich mich recht wohl.Zwar habe ich mich doch ein klein wenig zu weit vorne eingereiht, aber nach der zweiten Boje beruhigt sich das Feld, ich schwimme leicht neben dem Hauptfeld her und genieße das ruhige Wasser und kann so mein eigenes Tempo gehen. Das kostet mich zwar ein paar Meter, sorgt aber für ein wesentlich entspannteres Schwimmen. Ein paar mal muss ich den Kurs korrigieren, aber es liegt mir einfach und ich kann Zug um Zug spüren, wie ich ordentlich Tempo mache. Nach 29Minuten und 25Sekunden steige ich dann tatsächlich nach meiner erhofften Zeit aus dem Wasser. Bis hier her: perfekt!

Weiter geht’s zu den Bike bags und ins Zelt zum umziehen. Auch das scheint perfekt zu laufen und ich bin gefühlt verdammt schnell unterwegs. Aufgrund der langen Laufstrecke mit dem Rad habe ich mich wieder einmal für die Variante mit aufgeklippsten Radschuhen entschieden. Für die Wechselzeit perfekt, wie sich herausstellt. Nach nur 3Minuten und 39Sekunden verlasse ich die Wechselzone und “springe” auf mein Rad. Fühlt sich ungewohnt an, schaut nach der Videoanalyse auch ziemlich “komisch” (milde ausgedrückt) aus. Die ersten Umdrehungen mache ich noch auf den Schuhen, ehe ich versuche, in die Schuhe einzusteigen. Und da passiert es: zu euphorisch will ich mit dem rechten Fuß in den Schuh, reisse dabei die Öffnung weiter auf und dabei den Klettverschluss aus der Öse. Verdammt. Puls 180. Aufgeregt. Die anderen ziehen an mir vorbei. Macht mich nicht ruhiger. IM70.3Zell bikeUnd der blöde Klettverschluss mag nicht in die dafür vorgesehene Öffnung, geschweige denn meinen Fuß im Schuh zu fixieren. Ich werde langsamer, versuche Ruhe zu bewahren, oder besser gesagt, ruhig zu werden und schaffe es dann doch ohne absteigen nach rund 200Metern gerade noch rechtzeitig vor der ersten Kurve. Links klappt dann besser, wobei natürlich der Gummi, mit dem ich den Schuh in waagrechter Position halte, längst abgerissen ist und mir den Einstieg ebenfalls erschwert. Ein turbulenter Start auf dem Rad und ich höre schon die Worte meines Coaches: “was im Training nicht zu 100% funktioniert, brauchst im Wettbewerb gar nicht zu versuchen”. Wird besser Geri, versprochen… ;)

Dafür folgen dann 20km Spaß, Spaß, Spaß. Mit knapp 42km/h Schnitt geht’s Richtung Lend, bevor der von mir gefürchtete Aufstieg nach Dienten zum Filzensattel folgt. Sorry wenn ich das so schreibe, aber der erste Teil der Strecke ist einfach nur geil und macht Spaß. Kurz vor dem Aufstieg ist noch eine kurze Abfahrt, die auch Spaß macht, aber hier “liegen” auch schon die ersten Athleten am Straßenrand. Technischer Defekt oder Sturz vermag ich nicht zu sehen. Nicht schön, aber die Athleten sind alle auf den Beinen und wohlauf. Die nächsten rund 13km verlaufen für mich nicht ganz so erfreulich. Ich verliere Platz um Platz und die anderen lassen mich regelrecht am Berg stehen. Mehr als 44Minuten benötige ich für den Aufstieg, ehe die für mich erlösende Abfahrt folgt. Der Jubelschrei oben ist dafür umso befreiender und bergab mache ich wieder einige Plätze gut. Die nächsten 25km fahre ich mit über 46km/h Schnitt und habe Spaß daran, Druck am Pedal machen zu können und die anderen Athleten an mir vorbeifliegen zu sehen. Diesmal wieder von vorne kommend… ;)

Nach diesem Abschnitt kommt der aus meiner Sicht “Fairness”-betreffende weniger erfreuliche Teil. 5er- und 6er-Gruppen ziehen an mir vorbei, Rad an Rad mit keinem Meter Abstand. Verlockend allemal hier mitzufahren, da alleine der Sog mich schon schneller werden lässt, aber ich bleibe dann doch “stark” und lasse mich nicht dazu hinreissen. Es wird dann aber immer schwieriger. Sobald ich mich um die 12Meter laut Reglement zurückfallen lasse, fährt mir der nächste Athlet von hinten in die Lücke rein und macht den Abstand kleiner, bis ich am Ende schon fast eine Grundlagenausfahrt mache, weil ich mich immer weiter nach hinten reihen muss… nicht schön und so beschließe ich mir lautstark Gehör zu verschaffen und mache einen Antritt, der mich ordentlich Körner kostet und versuche die Gruppe hinter mir zu lassen, die sich aber sofort bei mir hinten einreiht und meinen Sog nutzt, bis wieder einer nach dem anderen an mir vorbeizieht. Rad an Rad. Nach mehrmaligen Versuchen, mich von so einer Gruppe abzusetzen, lasse ich dieses Unterfangen und lasse mich einfach zurückfallen. Kostet mich zwar Zeit, spare dafür aber Kraft.

IM70.3Zell - bike2Im letzten Abschnitt heißt es dann ohnehin schon Beine lockern für den bevorstehenden Halbmarathon. Im letzten Stück ist es nur noch ein gemütliches einrollen und vorbereiten auf die Wechselzone. 2Stunden und 39Minuten brauchte ich für den Bike-Split und konnte auf die 90km einen Schnitt von mehr als 34km/h fahren. Schon ganz gut, vor allem in Anbetracht der knapp 1.000 Höhenmeter und diesem für mich besonders fordernden Filzensattel. Von einem Radsplit unter 2Stunden 30Minuten kann ich derweil noch träumen, bin aber nach wie vor bester Dinge.

Der Wechsel vom Rad in die Laufschuhe verläuft problemlos und bereits nach 2Minuten und 53Sekunden bin ich auf der Laufstrecke. Es folgt der Halbmarathon und ein Blick auf die Uhr verrät mir: verdammt bin ich schnell! Aus der zweiten Wechselzone (T2) komme ich bereits nach 3Stunden und 15Minuten. Mein bisher schnellster Laufsplit über die Mitteldistanz liegt bei 1Stunde und 29Minuten. Könnte sich gar eine 4:45 Zielzeit ausgehen?! Ich bin guter Dinge und die ersten Kilometer verlaufen ganz nach Plan zwischen 4:22 bis 4:27/km. Das Tempo sollte ich halten können. Hoffe ich. Entlang der Strecke feuert mich meine Freundin an. Mit ihr weitere Freunde und entlang der Strecke treffe ich immer wieder Freunde und mich katapultieren die Anfeuerungs- und Aufmunterungsrufe immer weiter nach vorne. Nach 10km habe ich gerade mal 44Minuten auf der Uhr und die Hoffnung auf die Wunschzeit steigt mit jedem Schritt. Durch die Altstadt in Zell sammle ich nochmal Kraft und merke jedoch mit jedem Schritt, das es langsam anstrengend wird und die nötige Leichtigkeit fehlt. Gel traue ich mir nicht zu nehmen. Es hilft nur noch ein Schluck Cola. Davon gepusht geht’s in die zweite Runde. Die Beine werden müde. Der Kopf auch. Ich versuche mich zu konzentrieren. Wenige Sekunden später versuche ich mich wieder zu konzentrieren. Scheinbar nix geht mehr. IM70.3Zell run2Die Uhr verrät mir: 4:40/km. Verdammt. Da muss doch noch was gehen?! Der Puls aber sagt mir: mehr geht nimma! Verdammt. Was ist nur los? Zu wenig Energie, jetzt aber ist der Weg bis zur nächsten Labe weit. Der Kopf will. Der Körper aber zeigt Schwächen. Kilometer um Kilometer verliere ich wertvolle Sekunden, bis ich zwischenzeitlich für einen Kilometer sogar 5’01” benötige. Ich fange an mit mir zu schreien, mich aufzuraffen, mir Mut zu machen, klopfe auf meine Brust (Energiepunkte), konzentriere mich auf den Schritt und tatsächlich kann ich mich wieder etwas erholen und laufe zumindest unter 4:50/km. Schneller geht aber nicht mehr und ich verabschiede mich langsam aber sicher von meiner Traumzeit und hoffe, nicht zu designieren. IM70.3Zell run3Mit den letzten Kilometern erhole ich mich aber zunehmend, bis ich endlich die Altstadt erreiche und mich auf den Zieleinlauf vorbereite. Tage zuvor hatte ich diesen immer wieder visualisiert. Mir Gedanken darüber gemacht, wie ich mich fühle, wenn ich auf den Teppich komme, wie ich das Bad durch die Menge genieße und mit welcher Pose ich durch den Zielbogen laufe. Endlich konnte ich die Bilder wieder abrufen und mit jedem Schritt wurde ich wieder kräftiger. Wurde schneller. Grinste über das ganze Gesicht. Der Schritt war wieder locker, als wäre davor nix gewesen?! Wahnsinn, welche Kräfte wir mobilisieren können, wenn wir uns auf positives konzentrieren. Ein letzter Blick auf die Uhr verrät mir, das ich zwar weit weg war von meiner Traumzeit, aber genau im Zielkorridor zwischen 4:45 bis 5:00 lag, nämlich bei voraussichtlich 4:52 und so holte ich noch mal alles aus mir raus. Ich kann meine Vorfreude kaum im Zaum halten und habe erste Freudentränen in meinen Augen, bevor ich nach einer kurzen Steigung auf den Zielbogen zusteuere. IIM70.3Zell - finishch hebe meine Hände, fordere die Zuschauer zum Applaudieren auf und die Massen folgen meinem “Aufruf”, was mich noch mehr anspornt. Kurz vorm Ziel höre ich meine Süße mir zujubeln. Das gibt mir noch mehr Kraft. Ich laufe auf den Kommentator zu und schlußendlich auf den Zielbogen. Geballte Hände. Jubelschrei. Ein dicker Grinser und ein unbeschreiblich gutes Gefühl. Ich habe es geschafft. Zum mittlerweile sechsten Mal habe ich die Mitteldistanz gefinisht. Diesmal so schnell wie nie zuvor in 4Stunden und 52Minuten. Platz 30 in meiner Altersklasse und 157 gesamt. Und das unter 2.500 Startern. Schon mal ganz gut. Darauf kann und werde ich aufbauen. Ich bin superglücklich und freue mich über die Umarmung meiner Freundin im Zielgelände. Unbeschreiblich gut. Zell wir kommen wieder.

Tja. Das wars. Nicht ganz. Am Abend haben wir dann noch ordentlich gefeiert. Mein Coach (dersportcoach.com) wurde gesamt 26., hat seine Altersklasse souverän gewonnen und wurde sogar gesamt drittbester Österreicher. Nicht schlecht, für sein Alter! ;) Natürlich haben wir auch gleich Stärken und Schwächen analysiert und daran gefeilt, wie wir die Leistung über die Mitteldistanz weiter verbessern können… daran mache ich mich jetzt auch wieder, nach einer kleinen Pause und Belohnung mit einem Kurzurlaub inmitten der Berge im wunderschönen Pinzgau.

Last not least: Danke für all die Unterstützung von jedem einzelnen da draussen, insbesondere meiner Süßen Andrea, meinen Freunden, meinem Coach, meinen Trainern und sowieso allen, die mir Kraft und Zuversicht für alle Vorhaben geben.

tbc.ab

Leave a comment